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© Foto: Jens Bredehorn / PIXELIO

Umweltprämie oder Abwrackprämie?
Die Bundesregierung hat im Januar 2009 als Teil des Konjunkturpaketes II eine Umweltprämie in Höhe von 2.500 Euro
beschlossen. Wer bestimmte Kriterien erfüllt, kommt in den Genuss, seinen alten Wagen verschrotten zu müssen um dafür bei
Neukauf eines Neu- oder Jahreswagen 2.500 Euro dazu zubekommen.
Das vordergründigste Ziel sollte es sein, Arbeitsplätze im Automobilsektor zu erhalten und die Wirtschaft anzukurbeln.
Gleichzeitig sollte durch Verschrottung alter, mit hohen Emissionswerten belasteten Autos, durch neue mit geringen
Emissionswerten ersetzt werden. Ein Beitrag zur Reduzierung der Schadstoffbelastung der Luft.
Die gesamte Fördersumme war auf 1,5 Milliarden Euro festgesetzt, das entsprach ca. 600.000 PKWs. Später, auf Grund der
hohen Nachfrage, wurde die Fördersumme auf 5 Milliarden Euro erhöht, was ca. 2 Millionen PKWs entsprach.
Am 03.09.2009 waren die letzten Plätze zur Erteilung der Unweltprämie vergeben.

Ausland
In Frankreich hatte man im Dezember 2008 zum CO2-Bonus-Malus-System für 2009 eine Prämie beschlossen, bei der man 1.000
Euro erhält, wenn der neue PKW nicht mehr als 160g CO2/km emittiert. Wer unter 120g CO2/km verursacht, erhält noch mal 700
Euro dazu. Österreich, Großbritannien und Spanien folgten diesem Trend. Auch in den USA gibt es ein Programm, Cash-for-
Clunkers, bei dem die Prämie 3.500 US$ beträgt, wenn der Neuwagen mindestens 10,7 Liter/100km verbraucht und zudem um 1,9
Liter/100 km weniger verbraucht als der verschrottete Wagen. Wenn der Neuwagen sogar weniger als 4,9 Liter/100km
verbraucht, steigt die Prämie auf 4.500 US$. Auch dieser Topf ist Ende August ausgeschöpft.

In Deutschland wurden keine Kriterien an die Bewilligung geknüpft. Aus diesem Grund wurde die Umweltverträglichkeit
dieser Maßnahme kritisiert und in Frage gestellt. Sie gilt daher auch als Abwrackprämie. Mit Hilfe der statistischen
Daten auch von der BAFA wird hier versucht eine erste Bilanz zu ziehen. Betrachtet wird zum einen das Verhältnis der
Umweltverträglichkeit der verschrotteten zu den neu gekauften Fahrzeugen und die Umwelteigenschaften der Herstellung und
Entsorgung der alten PKWs auch im Hinblick auf die vorzeitige Verschrottung.

PKW Bestand und prämienberechtigte PKW
01.01.2009 – 41,3 Mio. zugelassener PKWs
Durchschnittliches Alter = 8,2 Jahre (vor 10 Jahren 6,8 und vor 20 Jahre 6,2 Jahre)
Daran erkennt man, dass heutzutage die Fahrzeuge länger gefahren werden, auch auf Grund langlebigerer Fahrzeuge
Am 01.01.2009 waren rund 17 Mio. PKW (41% des Bestandes) 9 Jahre und älter. Fast alle sind auf private Halter zugelassen
und haben damit einen Anspruch auf die Prämie.
Von diesen 17 Mio. konnten durch die 5 Milliarden Euro insgesamt 2 Millionen Fahrzeuge "zur Ausserbetriebsetzung führen".
Das sind 12% der 17 Mio.
15 Mio. bleiben dem Gebrauchtwagenmarkt erhalten.
Die 2 Mio. "Abwrack-PKW" entsprechen fast genau den Mengen an PKW, die in Deutschland normalerweise "außer Betrieb
gesetzt", d.h. verschrottet oder ins Ausland verkauft wurden. 2005 und 2006 waren es je 2,1 Mio. mit einem
Durchschnittsalter von 15 Jahren. 10 Jahre zuvor mit einem Durchschnittsalter von 14 Jahren und 20 Jahre zuvor 13 Jahre
Durchschnittsalter.
Jetzt stellt sich die Frage, ob zu junge Fahrzeuge abgewrackt wurden. Die Zahlen der BAFA widerlegen dieses. Das
Durchschnittsalter der abgewrackten PKWs lag bei 14,4 Jahren, also fast auf dem Niveau der letzten Jahre.

Mit Unterstützung der Prämie wurden vor allem Minis, Kleinwagen und Kompakte gekauft.
In diesen Segmenten lagen die Zulassungen in 2009 um rund 680.000 PKWs, das ist das 2,5fache zum Vorjahr.
Der Dieselanteil hat zum Vorjahr abgenommen. Hier stehen 45% im Vorjahr 30% in 2009 gegenüber. Diese Zahlen betreffen den
privaten Kaufsektor. Der gewerbliche Sektor wurde von der Prämie kaum erreicht. Hinzukommt noch die wirtschaftliche
Rezession, die den größten Zulassungsrückgang im Sektor Oberklasse hervorrief.

Die abgewrackten Pkw haben ein Vielfaches mehr an Luftschadstoffen, wie Stickoxide, Benzol, Kohlenwasserstoffe,
Kohlenmonoxid und Partikel, verursacht als die neuen
. Die neuen Fahrzeuge erfüllen die Grenzwertstufen 4 und 5 und haben
als Dieselfahrzeuge zusätzlich einen Partikelfilter. Die Emissionsunterschiede sind demnach umso größer, je älter das
verschrottetes Fahrzeug ist. Ein 30jähriger Benziner emittiert das 60fache an Stickoxiden als ein neuer Benziner. Bei
einem 15jährigen Diesel liegen die Partikelemissionen rund 75fach so hoch wie ein heutiger Diesel mit Partikelfilterung.
Verglichen werden die Luftschadstoffe, die bei Weiterbetrieb eines alten emittiert würden, mit den Emissionen eines
neuen. Die Schadstoffrückgänge sind hoch. Verglichen mit allen PKWs, sind die prämienbedingten Substitutionen der 2
Millionen PKWs nur 5%. Diese 2 Mio. Neuzulassungen sind für ca. 4% der gesamten deutschen PKW-Fahrleistung verantwortlich.
Dennoch werden rund 9% Benzol, 7% Kohlenmonoxid, 5% Stickoxid und 4% Diesel-Partikel eingespart. Der besondere Effekt der
Prämie besteht darin, dass sehr hoch emittierende PKWs durch sehr geringe ersetzt wurden.

Alle abgewrackten PKWs emittierten durchschnittlich 200g CO2/km, dass entspricht einem Verbrauch von 8,5 Litern Benzin/100 km oder 7,6 Litern Diesel/100 km. Demgegenüber stehen die in den ersten 7 Monaten registrierten Neuzulassungen von 154,7g CO2/km. Das führt zu einer Ersparnis von rund 30 Mio. Liter Kraftstoff, bzw. 100.000t CO2.
Gemessen am Emissionsausstoß aller PKWs in Deutschland, entspricht das nur etwa 1%.

Fazit:
Die Umweltprämie hat im Grunde genommen eine positive Wirkung auf die Umwelt. Sie wurde nicht in erster Linie zur Umweltentlastung konzipiert, sondern als Konjunkturspritze mit positiven "Nebeneffekten". Viele Käufe wurden wegen der Umweltprämie vorgezogen, was ein Erfolg ist. Ein weiterer Umwelterfolg ist der, dass viele Käufer direkt ein Neufahrzeug und keinen Gebrauchten gekauft haben. Dadurch, dass das Neufahrzeug kleiner, moderner und effizienter als ein Gebrauchter ist. Der Marktwandel zum Niedrigverbrauch-PKW ist schneller vonstatten gegangen als ohne die Prämie.