Do. Dez 9th, 2021

Der ACE Auto Club Europa hat den Regierungen von Bund und Ländern vorgeworfen, die Sicherung der Verkehrsinfrastruktur in weiten Teilen sträflich zu vernachlässigen. "Wertvolles gesellschaftliches Vermögen droht damit in mehrfacher Hinsicht unter die Räder zu geraten," sagte der stellvertretende Vorsitzende des Clubs, Erwin Braun, am Freitag in Stuttgart.

In seiner Rede zur Eröffnung der 15. Ordentlichen Hauptversammlung des ACE (21. – 22. Oktober, Mercedes-Benz Museum) ging Braun auch auf die von der CSU jüngst geforderte Einführung einer Pkw-Maut ein und sagte: "Wir lehnen eine solche Straßennutzungsgebühr unter den gegenwärtig herrschenden Bedingungen rundweg ab." Sein Club sei nicht bereit über neue Modelle der Verkehrswegefinanzierung zu diskutieren, "solange Steuerbetrüger, die ihr Geld in die Schweiz verschoben haben, mit Nachsicht rechnen können."

Auch dass die Regierungskoalition angesichts "klaffender Finanzierungslücken" in den Verkehrshaushalten von Bund, Ländern und Gemeinden immer noch Steuererleichterungen in Milliardenhöhe in Aussicht stelle, mache eine Diskussion über neue Einnahmequellen für Verkehrsinvestitionen unmöglich, betonte der ACE-Vize-Chef.

Zur Eröffnung der zweitägigen ACE-Konferenz haben sich rund 200 gewählte Delegierte und Gäste aus Politik und Wirtschaft eingefunden, darunter Baden-Württembergs stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Finanzen und Wirtschaft, Nils Schmid (SPD).

Im Mittelpunkt der Club-Tagung stehen ein insgesamt 70 Seiten umfassendes Antragspaket, Vorstandswahlen sowie eine Expertendiskussion über "Bürgerbeteiligung und Infrastruktur."
Unter dem Motto "Auf guten Wegen" will das satzungsmäßig höchste Beschlussgremium des ACE auch den Kurs der künftigen Clubarbeit abstecken. Vom Aufsichtsrat des ACE zur Wiederwahl in ihren Ämtern vorgeschlagen wurde der Vorsitzende des Clubs, Wolfgang Rose (61), der diese Funktion seit 2001 ausübt, und dessen Stellvertreter Erwin Braun (58), der zugleich Finanzchef ist und das Amt seit 2006 innehat. Die reguläre Amtsperiode für Satzungsorgane des ACE wie Vorstand, Aufsichtsrat und Präsidium beträgt laut Club-Statut vier Jahre.

Steigender Aufwand für Pannenhilfe
Den Delegierten liegt ein 39-seitiger Geschäftsbericht (2007 – 2010) vor, in dem der ACE-Vorstand Rechenschaft ablegt und eine positive Bilanz der zurückliegenden vier Jahre zieht. Im Berichtszeitraum hat der ACE nahezu 380.000 Pannenhilfen und Schutzbriefleistungen abgewickelt. Der jährliche Aufwand dafür stieg von mehr als 12,7 Millionen Euro (2007) um rund 1,9 Millionen Euro auf zuletzt knapp 14,6 Millionen Euro (2010). Dem Rechenschafts-Report zufolge nehmen heute im Schnitt 18 von 100 ACE-Mitgliedern die Pannenhilfe ihres Clubs in Anspruch, 2007 lag die Quote noch bei 15.
Alleine aufgrund der extremen Wetterbedingungen im Jahr 2010, mit dem langen Winter 2009/10, einem warmen Frühsommer sowie einem frühen Wintereinbruch im Dezember 2010 ist die Häufung von Schäden im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 Prozentpunkte auf 17,8 Prozent gestiegen. Der ACE rechnet damit, dass sich der Trend steigender Schadenshäufigkeit auch in den kommenden Jahren fortsetzen wird.
Mitgliederentwicklung und Finanzen "in solider Verfassung"

Derzeit gehören dem ACE 556.607 Mitglieder an (3. Quartal 2011 / 3. Quartal 2010: 553.761). "Unsere Mitgliederzahlen sind stabil, Tendenz steigend. Auf diesem Kurs wollen wir fortfahren," betont der Vorstand in seinem Geschäftsbericht und versichert: "Unser ACE ist in solider Verfassung." Beim ACE handele es sich um eine Solidargemeinschaft. "Sie ist nicht anonymen Shareholdern verpflichtet, sondern allein den Mitgliedern und ihren berechtigten Belangen," heben die beiden Vorstände Rose und Braun hervor.

Mitglieder des ACE zahlen einen jährlichen Clubbeitrag in Höhe von derzeit 59,70 Euro; darin enthalten sind auch Auslandsschutz sowie Partner- und Familienschutz. Der Kreis der berechtigten ACE-Leistungsempfänger umfasst damit insgesamt mehr als 1,2 Millionen Menschen. Die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen beziffert der Club auf jährlich mehr als 34 Millionen Euro. Davon fließen in den Bereich Service, Beratung und Verkehrssicherheitsarbeit rund 10 Millionen Euro, der mit mehr als 17 Millionen Euro größte Ausgabenblock entfällt auf den ACE-Euromobilschutz, der neben der Pannenhilfe weitere verschiedenartige Versicherungsleistungen umfasst. Die ACE-Gruppe, wozu auch die Euro Union Assistance GmbH (Notruf), eine Wirtschaftsdienst GmbH (u. a. Reisebüro) und eine Verlags-GmbH (ACE LENKRAD) gehören, erwirtschaftete einen Gesamtjahresumsatz von zuletzt rund 94,4 Millionen Euro (2010), das waren 6,7 Millionen Euro mehr als 2007.

Nach seiner Gründung 1965 in München wird der ACE im Jahr 2015 den 50. Jahrestag seines Bestehens feiern. Seine Clubzentrale unterhält der ACE in Stuttgart.

Engagement für nachhaltige Mobilitätskonzepte – "Autofahren immer teurer"
"Wir wollen weiterhin unseren Beitrag dazu leisten, Mobilität sicher, sozial, umweltschonend und effizient zu gestalten," betonte ACE-Chef Rose im Vorfeld der Club-Tagung. Er warnte angesichts immer höherer Kosten für Autofahrer zugleich vor einer sozialen Spaltung der Gesellschaft. "Autofahren wird in Deutschland mehr und mehr zum Privileg für Besserverdienende. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, droht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, in der viele Menschen abgehängt werden."

Quelle: ACE

Von Schumi

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